Freitag, 25. August 2017

»Die Moortochter« von Karen Dionne



Helena Pelletier lebt in Michigan auf der einsamen Upper Peninsula. Sie ist eine ausgezeichnete Fährtenleserin und Jägerin – Fähigkeiten, die sie als Kind von ihrem Vater gelernt hat, als sie in einer Blockhütte mitten im Moor lebten. Für Helena war ihr Vater immer ein Held – bis sie vor fünfzehn Jahren erfahren musste, dass er in Wahrheit ein gefährlicher Psychopath ist, der ihre Mutter entführt hatte. Helena hatte daraufhin für seine Festnahme gesorgt, und seit Jahren sitzt er nun im Hochsicherheitsgefängnis. Doch als Helena eines Tages in den Nachrichten hört, dass ein Gefangener von dort entkommen ist, weiß sie sofort, dass es ihr Vater ist und dass er sich im Moor versteckt. Nur Helena hat die Fähigkeiten, ihn aufzuspüren. Es wird eine brutale Jagd, denn er hat noch eine Rechnung mit ihr offen ...

Vor einigen Wochen bin ich beim Stöbern auf Twitter auf dieses Buch gestoßen. Da ich für den Sommer auf der Suche nach packenden Thrillern bzw. Krimis war, dachte ich, dass ich mit diesem vielfach gelobten Psychothriller nicht falsch liegen könnte, denn der Inhalt schien vielversprechend und interessant zu sein.



Helena Pelletier lebte seit ihrer Geburt mit ihren Eltern in einer Hütte im Moor der Upper Peninsula. Dort half sie ihrem Vater dabei, Tiere zu erlegen, Fährten zu lesen, essbare Früchte zu erkennen, kurzum: sie lernte in freier Wildbahn zu überleben. Helenas Mutter war ein typisches Frauenbild: sie kochte, putzte und wusch die wenige Kleidung, die sie alle besaßen. Die junge Helena vergöttert regelrecht ihren Vater und schaut zu ihm auf, möchte so sein wie er und sie lernt schnell. Doch darf sie sich hierbei keine Fehler erlauben, denn bei dem kleinsten Fehler, wird sie bestraft wie zum Beispiel in einer Szene, als sie alte verbogene Nägel wieder gerade schlagen sollte, schlug sie daneben und traf ihren Daumen. Kurz darauf verschlimmerte ihr Vater die Situation und schlug erneut auf den Daumen. Helena muss sich zusammenreißen und darf keinerlei Emotionen zeigen. Nicht einmal weinen, da sie sonst in einem Brunnenschacht gesperrt und für ungewisse Zeit dort bleiben muss.
Helena ist eine Entdeckerin durch und durch und auch vielseitig interessiert. Ihr Wissen über die Natur hat sie von ihrem Vater und zum Teil aus veralteten National Geographics-Zeitschriften. Helenas Vater hat seine beiden Frauen stets im Blick und achtet sehr darauf, dass sie keinen Kontakt zur Außenwelt erhalten.
So geht es fast 300 Seiten lang in der Moortochter. Wir begleiten Helena durch Rückblenden durch ihre Kindheit. Die zwischendurch eingeworfenen Kapitel in ihrer Zeit als Erwachsene geben meiner Meinung nach nicht viel her, außer, dass ihr Vater, aus dem Gefängnis geflohen ist und in den Wäldern umhertreibt. Helena macht sich sofort auf Spurensuche und  findet auch welche. Ihr Vater weiß davon, denn er kennt seine Tochter in- und auswendig. Helena begibt sich immer weiter in die Höhle des Löwen und am Ende des Buches treffen die beiden nach vielen Jahren wieder aufeinander. Von einer glücklichen Familienwiedervereinigung kann man hier nicht sprechen. Helena war froh darüber über die Jahre im Moor hinweg zu sein und ein normales Leben mit einer eigenen Familie führen zu können.

Ich bin der Meinung für einen Psychothriller ist Die Moortochter  ein doch sehr ruhiger Thriller. gut 300 Seiten lang passiert so gut wie nichts, der Leser wird durch einen Haufen Rückblenden in Helenas Kindheit eingeführt und  nur zwischendurch erfahren wir das wenige, das in der Jetztzeit passiert. Ich hatte mir gewünscht, dass die Charaktere mehr in ihrer Tiefe gezeigt werden, das gesamte Buch über, blieben mir die Charaktere farblos und ich konnte mich mit niemanden identifizieren - das ist wirklich schade. Ich hatte auch fas Gefühl, dass die Figuren doch sehr Klischeebehaftet sind: Helenas Mutter übernimmt die typische Frauenrolle, wie oben schon erwähnt, und fristet im Moor ein unterdrücktes Leben. Ihr Mann ist der Herr im Haus, versorgt seine Familie mit Nahrung und ist größtenteils grob und aggressiv gegenüber seiner Frau. Helena ist eben ein typisches Kind: neugierig, klug und  von ihrem Vater hin und weg. Aber für mich hat das alles nicht gereicht. Ich hätte mir wenigstens gewünscht zu erfahren, warum ihr Vater so geworden ist, wie er in diesem Buch dargestellt wurde, ich hatte mir gewünscht mehr über ihn zu erfahren seinen wichtigen Wendepunkt in seinem Leben um die Entführung seiner Frau und das gewählte Leben in der Wildnis besser nachvollziehen zu können. Aber so blieben diese Fragen offen stehen und über mir schwebte stets ein Fragezeichen.
Soweit zum Plot  und den Charakteren.

Der Schreibstil von Karen Dionne ist angenehm und flüssig zu lesen. Sie verliert sich dann und wann in kleineren Beschreibungen, schafft es auch detaillierte Bilder im Kopf entstehen zu lassen, aber was den Spannungsbogen angeht, hat sie es leider nicht schaffen können, mich bei Laune zu halten.
Mag vielleicht daran liegen, dass dies ihr erster Roman ist und es noch weit Luft nach oben gibt. Ich lasse mich überraschen, was die Autorin als nächstes veröffentlicht.
Die Moortochter hat bei mir leider keine Gänsehaut hervorgerufen und für einen Thriller fehlte es für meinen Geschmack vorne und hinten an Spannung.


Infos:
Verlag: Goldmann / Seiten: 382 / Genre: Psychothriller / Einband: Klappenbroschur / Übersetzer: Andreas Jäger / Preis: 12,99€ / ISBN: 978-3-442-20535-6

Kommentare:

  1. Huhu!

    Das Buch hat unser Krimi-Lesekreis als Buch des Monats für den August ausgesucht, und morgen ist unser nächstes Treffen, wo wir dann darüber diskutieren. Ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen, was die anderen zu dem Buch sagen werden, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass ich mit meiner Meinung wahrscheinlich wieder auf verlorenem Posten stehe...

    Die lässt sich zusammenfassen mit: a) Das Buch ist kein Thriller. Nicht mal im Ansatz. Und b) fand ich es dennoch faszinierend. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich schon mit den Entführungsfällen von Ariel Castro beschäftigt habe oder auch mit dem Fall Jaycee Dugard (die beide im Buch erwähnt werden) und die Geschichte für mich daher irgendwie plausibler und realer wirkte?

    Ich hatte das Gefühl, dass die anderen Charaktere deswegen manchmal relativ blass wirken, weil Helena in ihrer emotionalen Entwicklung ernsthaft geschädigt wurde und wir die ganze Sache ja durch ihre Augen sehen.

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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    1. Falscher Link! HIER habe ich den Beitrag verlinkt!

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