Samstag, 29. April 2017

Buchbinden: Teil 1 - Materialien - Papier lebt, sozusagen.



In diesem ersten Teil meiner Buchbinden-Serie, möchte ich euch die Materialien aufzeigen, die  wir zum Binden des Buches benötigen. Hauptmaterial fürs Buchbinden ist das Papier - wir brauchen es für den Buchblock, Vor- und Nachsatz sowie für den Einband.

Da wohl kaum jemand die ganzen Materialien einer Buchbinderei Zuhause hat, werde ich versuchen, die Werkzeuge so einfach wie möglich zu halten. Zum Beispiel glaube ich nicht, dass ein Großteil der Leser dieses Artikels eine Heftlade, oder eine Presse Zuhause stehen habe - das wird nur bei einem Bruchteil der Fall sein und selbst ich, gehöre nicht dazu.
Hier nun eine kleine Liste mit Materialien, die wir fürs Buchbinden brauchen:
(Wenn ihr auf das entsprechende Material klickt, gelangt ihr zu Modulor. Dort findet ihr Buchbindermaterial zum besten Preis, wie ich finde) 
  • Papier (für den Buchblock)
  • Buntpapier (für den Einband und dem Vor- und Nachsatz)
  • Graupappe (mindestens 1,5 Millimeter am besten aber 2 Millimeter stark)
  • Buchbindernadel (ich verwende Stopfnadeln, diese eignen sich ebenso gut)
  • Heftfaden (hierfür eignet sich auch Sternzwirn am besten)
  • Falzbein (ein Geodreieck tut’s aus)
  • Ahle (ich benutze eine kleine handliche Säge, um die Löcher zum Heften ins Papier zu bekommen)
  • Heftband 
  • farbigen Zwirn (den brauchen wir später fürs handgestochene Kapitalband)
  • Lederriemen (dieser dient als Kern des Kapitalbandes)
  • zwei Holzklötze (irgendwie müssen wir den Buchblock einspannen um ein Kapital zu stechen)
  • Leinen
  • Buchbinderleim (Holzleim tut’s für den Heimgebrauch ebenso)
  • Pinsel (ein Lackierpinsel tut’s auch)
  • Ein Glas Wasser
  • Zeitung als Unterlage 
  • zwei Bretter und Schraubzwingen (schwere Bücher eigenen sich auch zum Pressen)
  • Kreppband
Wer sein Buntpapier (Marmor-, Kleister- oder Kiebitzpapier) lieber selben machen möchte, dem zeige ich das nächste Mal, wie man diese Papiere herstellt.

Für das Marmorpapier brauchen wir aber noch einige Dinge mehr: 
  • Carrageen (am besten als Pulver)
  • Alaun (Kaliumaluminiumsulfat)
  • Ein großes Behältnis (etwas größer, als es eure Papierbögen sind)
  • weitere Pinsel (einfach Schulpinsel tun’s auch)
  • Acrylfarbe aus der Tube
  • Papier
  • Behältnisse für die verdünnte Acrylfarbe
  • Eine Häkelnadel oder ein dünner Stiel (eventuell vom Pinsel)
  • Zeitung als Unterlage

Für das Kleisterpapier brauchen wir nur: 
  • Tapetenkleister
  • Acrylfarbe
  • kleine Behältnisse für die Farbe
  • Pinsel
  • Papier
  • Zeitung als Unterlage

Zum Papier muss gesagt sein, dass es wichtig ist, vorher die Laufrichtung, besser gesagt die Faserrichtung zu kennen, denn diese ist für das Aufschlagen des Buches wichtig. 
Die Laufrichtung gibt es nur bei den maschinell hergestellten Papieren. Die Fasern in der Papiermaschine legen sich größtenteils auf dem schnell vorwärtsbewegenden Langsieb in die eine Längsrichtung. Das hat zur Folge, dass das Papier, wenn es feucht wird, sich unausgeglichen ausdehnt, nämlich in der Querrichtung stärker, als in die Längsrichtung. Das muss bei allen Klebearbeiten beachtet werden! Sollte man diese Laufrichtung missachten, kann es zu unschönen Wölbungen am Einband kommen, oder die Seiten stehen beim Aufschlagen des Buches in alle Himmelsrichtungen ab, anstatt dass sie aufeinander liegen.
Wenn ihr zum Buchbinden handgeschöpftes Papier benutzt, braucht ihr nicht auf die Faserrichtung achten. Denn die Papierfasern legen sich beim Sieben in beide Richtungen, so dass es sich, sollte es feucht werden in beide Richtungen gleich ausdehnt. 

Um die Laufrichtung des Papiers zu erkennen, nehme ich einen normalen Bogen Papier (Druckerpapier im DIN A4-Format, 80 gm²), tauche einen Pinsel in Wasser und feuchte die kurze Seite des Bogens an und warte einen Moment. Sollte sich diese Seite des Papieres stark wellen, wie auf dem Foto, dann weiß ich, dass ich leider kein Notizbuch im DIN A5-Format binden kann, da die Laufrichtung des Papieres nicht parallel zum Falz ist. Also kann ich nur ein Notiz- oder Skizzenbuch im DIN A6-Format binden.
Wenn du kein Wasser in der Nähe haben solltest, kannst du die Seite des Papieres einfach zwischen den Fingernägeln deines Daumens und Zeigefingers ziehen. Sollte es sich ebenso stark wellen, kannst du kein A5-Buch binden. 

1 Kommentar:

  1. Es ist sehr interessant, von deinen Erfahrungen in diesem Bereich zu lesen. Auch wenn ich es für mich ausschließe, mich darin zu versuchen, ist es spannend, sich mal darüber Gedanken zu machen, wie das Buchbinden eigentlich funktioniert.

    Besonders interessant fand ich die Information zu der Laufrichtung des Papiers. Davon habe ich bisher gar nichts gewusst.

    Liebe Grüße,
    Sarah

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