Samstag, 3. September 2016

Schreibwahnsinn: Einen Schritt zurück mit Erika



Heutzutage werden es nur noch die wenigsten kennen und die allerwenigsten benutzen: Die Schreibmaschine. Der oldschool Laptop, wenn man so möchte. Da ich beim Schreiben meiner Geschichten immer wieder vom guten alten Internet abgelenkt werde, und meine Handschrift nicht gerade lesefreundlich ist, habe ich mir vor kurzem eine Schreibmaschine zugelegt - okay es sind zwei Schreibmaschinen, die ich mir besorgt habe: Eine Erika Modell 10 aus dem Jahre 1965 (siehe Fotos unten) und eine Privileg 300 aus den circa 80er Jahren (ich liebe das giftgrüne Gehäuse!). Ich fand es damals immer spannend, wenn meine Oma auf ihrer Optima Elite 3 (circa 1959) Briefe geschrieben hat. Ich fand das klackende Geräusch beim Anschlagen der Tasten und das unverkennbare KLING kurz vor dem Zeilenende, faszinierend - ich weiß nicht genau warum. aber ich höre diese Geräusche ganz gerne.

Ich habe meine beiden Schreibmaschinen seit gut sechs Wochen und es war erstmal etwas umständlich, denn das Tippen auf einer Schreibmaschine erfordert etwas mehr Kraft, als das lasche Anschlagen auf dem Laptop. Mehr Druck musste her und als ich den Dreh einigermaßen raus hatte, war es ein Klacks und ich tippte fast so schnell wie auf dem Laptop. Ich habe auch schon einige Kurzgeschichten mit der Erika und der Privileg geschrieben und ich selber finde, dass die Qualität meiner Texte eine ganz neue Form angenommen haben. Man konzentriert sich beim Schreiben viel mehr auf den zu schreibenden Text und wenn man sich einmal vertippt hat, dann war dieser Fehler so lange zu sehen, bis dieser mit Tippex beseitigt, oder das Blatt vernichtet wurde. Aber eben das finde ich ebenso spannend; man lernt besser aus seinen Fehlern - egal ob Tippfehler, oder wenn man ein Wort vergessen hat wirklich zu tippen - wobei man es in Gedanken gedacht, aber einfach übersprungen hat. So ist das ab und zu bei mir jedenfalls.
Aber auch finde ich, dass die Überarbeitung ebenso lehrreich ist. Denn wenn man einen Text überarbeitet, so überarbeitet man diesen auch wirklich! Du löschst nicht einfach so einen Absatz und tippst ihn dann neu, du musst dann alle Seiten neu tippen, der Text rutscht nicht einfach weiter hoch, wenn man einen Absatz gelöscht hat. Auch Anmerkungen und Notizen machen den Überarbeitungsprozess noch ein Stück weit transparenter, wenn man jetzt mal davon ausgeht, dass man einen Bestseller geschrieben hat und die alten Manuskripte von Wissenschaflter analysiert  werden.
Der ganze Denkprozess beim Überarbeiten wird ein Stück weit ersichtlicher und man kann sicher besser in das Denken des Autors hineinversetzen. So etwas finde ich wiederum ganz spannend. Das Schreiben und Überarbeiten mit einer Schreibmaschine empfinde ich als intensiver, denn wenn man von nichts weiterem gestört wird, wie dem Internet, dann kann man sich viel tiefer in den Geschichten verlieren. Auch sind die Augen nicht mehr so müde, wie wenn ich drei Stunden am Stück auf einen Bildschirm geschaut und eine Geschichte geschrieben oder überarbeitet habe. Klar, mache ich mir hiermit doppelte Arbeit, denn wenn ich Testleser suche, muss ich das ganze Manuskript noch einmal in den Laptop abtippen. Aber es soll auch ein Programm geben, dass eingescannte Schreibmaschinen in editierbare Dokumente konvertieren kann. Aber um überhaupt eine erste Fassung des Manuskripts problemlos und störfrei zu schreiben, kann ich dem Hobbyautor nur empfehlen, sich eine mechanische Schreibmaschine zu suchen. Ein kleiner Tipp am Rande: Farbbänder sind immer noch erhältlich und man kann sie auch mehrmals verwenden - ich dachte immer, dass die nach einmaliger Verwendung nicht mehr zu gebrauchen sind - aber hier war die Neugier größer und ich wurde eines besseren belehrt.
Was mich beim Schreiben mit einer Schreibmaschine stört, ist das ständige Wechseln der Blätter. Aber hier werde ich es ganz wie der Schriftsteller Jack Kerouac machen und auf Papierrollen schreiben - dazu muss ich nur noch eine finden, die auch in die Schreibmaschine passt.

Habt ihr Schreibmaschinen, die ihr auch zum Schreiben benutzt?
Oder stehen diese bei euch nur als Deko im Zimmer?

Kommentare:

  1. Hallo Nico!

    Ichnhabe auch eine Schreibmaschine, nur hat sie noch nicht all zunoft Verwendung gefunden!mDas mit dem Fabband muss ich unbedingt austesten!

    Liebe Grüße
    Henrik

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    1. Hallo Henrik,

      was für eine Schreibmaschine hast du denn, das interessiert mich mal. :D Ich kann dir das Schreiben darauf nur empfehlen. Es ist ein Schreiberlebnis, dass man mal kennengelernt haben sollte. :)

      Liebe Grüße,
      Nico

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  2. Huhu :)

    Ich kann dir zu 100% und ohne wenn und aber absolut zustimmen. Ich besitze selbst seit einiger Zeit eine Adler und ich liebe diese Schreibmaschine. Man muss sich viel mehr konzentrieren und das macht die Verbindung zu dem geschriebenen Wort wesentlich intensiver. Auf dem Computer denkt man manchmal zu schnell und zu sprunghaft und man rutscht in die Banalität ab, während einen die Schreibmaschine Konzentration gibt. Ich kann total verstehen, wieso du momentan vermehrt darauf Dinge schreibst.

    Ich war in letzter Zeit auch unzufrieden mit meinem Laptop-Schreibverhalten und bin deshalb jetzt erst Mal wieder zu Stift und Papier umgestiegen, da meine Schreibmaschine sehr laut und die Wände hier sehr dünn sind. Und das Ergebnis ist der pure Wahnsinn, sowohl quanti- als auch qualitativ. Also ich bin vollends begeistert, dass sich mein Notizblock jetzt immer mehr füllt und füllt und füllt.

    Schöner Beitrag und schön, dass du das mal angesprochen hast. Ein Perspektivwechsel bei der Art zu Schreiben kann Wunder bei einer Schreibblockade bewirken und man spricht viel zu selten darüber!

    Liebe Grüße,
    Antonia

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    1. Hallo Antonia,

      Ich kann dir in deinen Punkten auch nur zustimmen, ich schreibe mit der Schreibmaschine viel schneller drei bis fünf Seiten in gut zwei Stunden. Am Laptop brauche ich dafür meist drei Stunden. Anscheinend, überarbeitet man Laptop viel mehr und der innere Lektor viel aktiver, als wenn ich an der Schreibmaschine sitze.
      Meine Erika ist auch nicht gerade leise, bei mir funktioniert es ganz gut, wenn ich eine etwas dicke (oder zwei Mal gefaltete dünne) Decke und ein ca. 2 Zentimeter dickes Brett drunterlege. Das dämpft das laute Klacken ganz gut ab. Das einzige was ich per Hand schreibe sind kleine Szenen oder Handlungsskizzen. Aber ich dennoch habe ich es geschafft, in den letzten Jahren einen ganzen Koffer mit handschriftlichen Notizen und Skizzen zu füllen.
      Was mir beim Schreiben von Kurzgeschichten aufgefallen ist, ist dass ich öfters beim Schreiben auf der Schreibmaschine in die Ich-Perspektive falle, was ich beim Laptop sonst nie hinbekommen habe. Ich glaube, dass Geschriebene mit der Schreibmaschine ist somit auch ein Stück weit persönlicher, finde ich.

      Liebe Grüße,
      Nico

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    2. Huhu :)

      Also über den Teil mit der ich-Perspektive kann ich nicht so gut urteilen, weil ich eigentlich grundsätzlich die ich-Perspektive bevorzuge (so richtig schöne innere Monologe sind doch was feines, das finde ich aus der ich-Perspektive irgendwie schöner) und eher selten nicht in ihr schreibe (ganz selten mal bei Kurzgeschichten etc., aber bei den größeren eher nicht).

      Das mit der Decke ich übrigens ein großartiger Tipp, das muss ich dringend ausprobieren, wenn ich heute Zuhause bin. (Und ich schäme mich ein bisschen, dass ich auf diesen genialen Gedanken nicht selbst gekommen bin xD)

      Handschriftlich schreibe ich auch wesentlich quantitativer als auf dem Laptop, ohne dass mir dabei die Qualität abhanden kommt (sonst hätte das alles ja reichlich wenig Sinn). Vielleicht ist es auch mehr der notwendige Perspektivwechsel, den ich mal wieder gebraucht habe, als das Schreiben per Hand an sich und vielleicht auch das regelmäßige Schreiben - was es auch ist. Es hilft. Und das ist gut.

      Liebe Grüße,
      Antonia

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    3. Bei mir ist es umgekehrt. Bei größeren Projekten schreibe ich immer als auktorialer Erzähler, aber bei Kurzgeschichten vermehrt in der Ich-Perspektive. Handschriftlich möchte ich ab jetzt auch vermehrt schreiben, einfach um die ersten Gedanken aus meinem Kopf zu bekommen, ohne jetzt das Farbband der Schreibmaschine zu schnell alle zu machen und meine Augen am Laptop zu schnell zu ermüden. Ich habe mir dafür heute extra ein großes Notizbuch gekauft und bin gespannt, wie schnell ich es voll bekomme. :D

      Regelmäßig schreiben tue ich meist nur während der NaNoWriMo-Monaten, ansonsten ist es eher ein alle zwei bis drei Tage-Schreiben. Aber ich bin froh, dass ich überhaupt die Zeit dazu momentan finde, denn bei mir steht derzeit einiges an. Und am Wochenende habe ich dazu leider keinen Kopf mehr, da schaue ich meist auf Netflix oder bastel anderweitig - vielleicht ein bisschen Buchbinden, oder Lesezeichen herstellen. ^^

      Liebe Grüße,
      Nico

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  3. Ein sehr interessanter und inspirierender Post!
    Da bekommt man sofort Lust, selbst direkt mit einer Schreibmaschine loszulegen. Dass sich dein Schreibverhalten so zum Positiven verändert hat, finde ich wirklich erstaunlich und beeindruckend zugleich. Auch wenn es mir einleuchtet, dass die Konzentration so natürlich viel besser ist.
    Trotzdem hätte ich jetzt schon keine Lust, mich mit dem Digitalisieren oder Abtippen auseinanderzusetzen. Das dauert doch ewig, oder? Da spukt mir sofort der Gedanke im Kopf herum, dass ich in der Zeit so viel anderes machen könnte. Aber vielleicht auch, weil ich den Gewinn dahinter noch gar nicht so genau nachempfinden kann.
    Da ich Probleme mit meinen Handgelenken habe, weiß ich auch gar nicht, ob das Tippen auf einer Schreibmaschine so schlau ist, in meinem Fall :/

    Vielen Dank für das Reinschnuppern in einen ganz anderen Bereich des Schreibens :)

    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Das ist ja wirklich ärgerlich mit deinem Handgelenk. Kann man dagegen irgendwas machen? Ich habe immer davon taggeträumt, dass ich später, wenn ich eine Schreibmaschine habe, zuerst alles handschriftlich mache, dann das handschriftliche überarbeite und an der Schreibmaschine abtippe, dann das getippte noch einmal korrigiere und es dann digitalisiere bzw. noch mal abtippe. So hätte ich schon im Vorfeld das Manuskript schon zwei Mal überarbeitet und das Schreibmaschinen-Manuskript könnte man dann schon mal Probeleser geben - gut, dafür müsste ich dann lange am Kopierer stehen. Aber was ich an der Schreibmaschine noch so gut finde ist: Es gehen keine Daten verloren - außer es wird geklaut oder es verbrennt, man hat also immer eine reale Kopie vom Manuskript.

      Liebe Grüße, Nico :)

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  4. Hi Nico,

    ein sehr inspirierender, schöner Post. Habe auch schon öfter mit dem Kauf einer Schriebmaschine geliebäugelt.
    Allerdings habe ich jetzt vermehrt Erfahrung im Schreiben am Laptop gemacht durch das Schreiben diverser Hausarbeiten für die Uni. Mein Vorteil: Am Schreibtisch hab ich kein WLAN, werde also nicht abgelenkt :D

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    1. Hallo Alexander,

      danke, es freut mich, wenn mein Artikel so gut ankommt. Ich hatte bis vor gut einem Jahr noch einen alten Windows XP-Rechner, an dem ich ansonsten immer getippt habe. Dieser Rechner hatte auch kein Internet (mehr), und so wurde ich auch nicht immer abgelenkt, außer jemand hat nach mir gerufen oder Ähnliches.
      Ich kann den Kauf einer Schreibmaschine nur empfehlen. Es gibt dem geschriebenen eine ganz andere Ebene, die ich nicht beschreiben kann. Vielleicht ist es auch das Gefühl, nach dem Schreiben, etwas in der Hand zu halten, ohne dass während des Schreibens am Rechner dieser abstürzt und die Datei nicht gesichert wurde oder sogar ganz verschwindet. So hat man immer eine reale Kopie von dem Geschriebenen, auf die man später zurückgreifen kann. Das war auch mein erster Gedanke, als ich darüber nachgedacht habe, mir eine Schreibmaschine zu kaufen. :D

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