Mittwoch, 13. April 2016

Rezension: »Die Gestirne« von Eleanor Catton


In einer Hafenstadt an der wilden Westküste Neuseelands gibt es ein Geheimnis. Und zwei Liebende, die einander umkreisen wie Sonne und Mond.

Als der Schotte Walter Moody im Jahr 1866 nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die eine Serie ungelöster Verbrechen verhandeln. Und schon bald wird Moody hineingezogen in die rätselhaften Verstrickungen der kleinen Goldgräbergemeinde, in das schicksalhafte Netz, das so mysteriös ist wie der Nachthimmel selbst.

»Er wird gespeist aus einem staunenswerten Überfluss an Ideen und Talent, ist dabei gelehrt, unterhaltsam und sehr, sehr witzig.« 
FAZ


Meinung:
Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
So in etwa könnte ich in einem Satz Die Gestirne zusammenfassen, denn leider bin ich von diesem Buch einfach enttäuscht. Aber warum? Der Inhalt schien vielversprechend. Die über tausend Seiten, versprachen mir gute, tiefgründige Unterhaltung, bei der ich in eine Welt abtauchen und mit dem Protagonist mitfiebern kann. Aber leider war das hier gar nicht der Fall.
Ich habe im Vorfeld über dieses Buch  viel Gutes gelesen und wenn dieses Buch bzw. die Autorin des Buches den Man-Booker-Prize gewonnen hat, was sozusagen der Oscar in der Literatur ist, dann kann doch diese Geschichte gar nicht so schlecht sein, oder? Aber kommen wir nun zum ernüchternden Teil meiner Rezension: Zu allererst, war ich ja ganz von dem astrologischen Aspekt des Buches angetan - das ein verstärkender Faktor war, warum ich dieses Buch überhaupt in die Hand nahm. Der Schreibstil ist zwar angenehm zu lesen, wenn man sich daran erstmal gewöhnt hat. Denn anders, als die meisten Autoren heutzutage schreiben: in kurzen, ja fast abgehackten Sätzen und auf Spannung ausgerichtet - schreibt Eleanor Catton, wie es sich für die Zeit um 1865, in der dieses Buch spielt, gehört: in langen, detaillierten und verschachtelten Sätzen. Und wer eben mitbekommen hat, ja, auch ich habe einen Hang dazu ellenlange Sätze zu schreiben, was den einen oder anderen vielleicht abschreckt. Nun, wenn man sich der Geschichte, die die Autorin erzählt, annehmen möchte, gewöhnt man sich relativ schnell an ihrem Schreibstil und  zu Anfang mochte ich die  detailreichen Sätze sehr, die Charakterisierung von Personen, Beschreibungen  und Verhalten dieser, sowie der Umgebung. All das lässt den Leser in eine atmosphärische, ja urige, Geschichte eintauchen. 
Doch leider wurde mir ab einem bestimmten Punkt im Buch, zu viel. Ich merkte zunehmends, wie ich zwar die Sätze las, aber am Ende der Seite nicht einmal mehr wusste, was denn genau in dieser Szene passiert war, da ich hin und wieder, auch wenn ich versuchte konzentriert zu bleiben, mit meinen Gedanken abschweifte. Und warum? Die vielen Beschreibungen wiederholen sich und oft wird das Geschehene wiedergekäut, bis dass es auch der letzte verstanden hat, was für den Aufmerksamen Leser ermüdend ist, wie ich finde. Daher hatte ich auch das Gefühl mit der Geschichte an sich nicht  weiterzukommen, da die  doch recht farblosen Charaktere sich in ausschweifenden Geschichten verlieren, mit denen der Spannungsbogen des Buches eher flach gehalten wurde - ein wenig zu flach, wie ich finde. 
Was ich auch sehr schade finde ist, dass die vielen Charaktere, die hier aufgeführt werden, mir stets blass und  oberflächlich erscheinen. Man erfährt aus einigen etwas aus ihrer Vergangenheit,  aber es machte einfach bei mir nicht klick, so dass ich sagen konnte: Ja, mit diesem Charakter kann ich mich identifizieren und werde ab jetzt mit ihm hoffen und bangen. Das blieb bis zum Ende des Buches einfach aus. Ich  habe  oft, überlegt, ob ich dieses Buch abbrechen sollte, oder nicht. Aber immer wieder musste ich mir  selber sagen, dass dieses Buch nicht umsonst einen der renomiertesten Preise der Literatur gewonnen hat. Irgendetwas muss doch an diesem Buch so verdammt gut sein. Und eben diese Chance wollte ich dem Buch geben. Und was ich auch ernüchternd fand: der astrologische Aspekt in diesem Buch, ist für die Geschichte an und für sich nicht einmal relevant und spielt hierbei gar keine gewichtige Rolle in dem Buch. Sehr schade, wie ich finde, denn man hätte die Geschichte damit wirklich interessant gestalten können.

Verlag: btb / Seiten: 1038 / Genre: Roman / Einband: Gebunden mit Schutzumschlag: / Übersetzer: Melanie Walz / Preis: 24.99€ / ISBN: 978-3-442-75479-3 / »Die Gestirne« von Eleanor Catton*
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Kommentare:

  1. Ach, menno. Es tut mir echt leid, dass dir das Buch nicht so gut gefallen hat, gerade weil du ja so angetan anfangs warst (also bevor du mit dem ersten Versuch begonnen hast ;))
    Ich denke, ich werde es trotzdem mal versuchen, auch wenn ich Schachtelsätze und ellenlange Beschreibungen in dem Maße gerade doch minimal abschreckend finde. Aber wer weiß, vielleicht fügt es sich ja in dem Buch gut zusammen und gefällt mir dann doch :)

    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Ja, es ist wirklich schade. Aber vielleicht war es auch noch nicht die richtige Zeit dafür. Vielleicht werde ich es in einem Jahr noch mal lesen.
      Vielleicht passt es ja in dein Beuteschema und gefällt dir ja doch. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. :)

      Liebe Grüße,
      Nico

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